Wir leben in einer Zeit, in der das politische und ethische Fundament unserer Gesellschaft mehr als fragil erscheint: demokratiefeindliche Haltungen, Gewalt und gar vielerorts kriegerische Auseinandersetzungen sind an der Tagesordnung.
Hat der moderne Mensch etwa nichts aus den „Fehlern“ der Geschichte gelernt, nicht verstanden, dass Frieden und Verständigung die Grundlagen eines gelungenen Lebens und einer sozialen Kohäsion darstellen? Dieser Frage sind die 10. Klassen des Schlossgymnasiums im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ethik trifft Experten“ zusammen mit der Zeitzeugin Rosi Bremser aus Mainz nachgegangen. Die Überlebende des Zweiten Weltkriegs wurde 1934 in Mainz geboren und hat als Kind die düstersten Kapitel der Geschichte hautnah miterlebt – den Zweiten Weltkrieg, das mörderische Hitler-Regime, den Tod der eigenen Mutter in Hadamar, die Reichspogromnacht, den schrecklichen 27. Februar 1945 in Mainz (eine heftige Bombardierung der Stadt kurz vor Kriegsende) und schließlich auch die große Armut, die die Menschen in der Nachkriegszeit erleben mussten. Auch wenn Rosi nur 7 Jahre lang die Schule besuchen konnte, hat sie ihr Leben schließlich „gemeistert“ und gilt heute vielen Menschen als Vorbild.
In ihren Antworten auf die vom Schülerpublikum gestellten Fragen erinnerte Rosi Bremser immer wieder daran, das „Gute“ im eigenen Leben wahrzunehmen und wertzuschätzen und sich des Friedens bewusst zu sein, der hierzulande herrscht. Das schließt aber eben auch ein, gemeinsam gegen extremistische, intolerante und menschenfeindliche Handlungen aufzustehen und sich für Gerechtigkeit – wenn nötig – einzusetzen. Rosi Bremser erklärte, dass man dies ab einem bestimmten Zeitpunkt unter Hitler nämlich nicht mehr tun konnte, sondern möglicherweise mit seinem Leben bezahlte.
Wir danken Rosi Bremser für die wichtigen Einblicke in ihr Leben und in eine Zeit, die uns nach wie vor ein warnendes Beispiel sein sollte. Zudem möchten sich alle Beteiligten bei Herrn Siehr für die Organisation der Veranstaltung herzlich bedanken sowie bei Frau Klein-Mahr für die Unterstützung während der Veranstaltung.
Thomas Deierling für die Fachschaft Ethik


